Am 11. September lud das Goethe-Institut Lissabon in Kollaboration mit der Österreichischen Botschaft zu einer Lesung mit der preisgekrönten Autorin Eva Menasse. Die österreichische Schriftstellerin, eine der wichtigsten Stimmen der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur, las aus ihrem neuesten Werk, »Alleinruhelage« (Kiepenheuer & Witsch), und stellte sich im Anschluss den interessierten Fragen des portugiesischen Publikums. Kuratiert wurde die Veranstaltung von der Germanistin und literarischen Übersetzerin Gilda Lopes Encarnação, die die poetischen Eigenheiten des Sprachstils reibungslos ins Portugiesische übertrug und damit das Publikum verzauberte.
»Alleinruhelage« handelt vom Verkauf eines Wochenendhauses in der ostdeutschen Provinz, im Zuge dessen das Haus zum Spiegel der Erzählerinnenbiographie wird. Verwoben mit Reflexionen über die deutsch-deutsche Vergangenheit samt ihren Abgründen geht das Buch jedoch weit über das Persönliche hinaus. Thematisiert werden die DDR und ihr Nachhall in der Gegenwart, die Effekte der Klimakrise sowie die heldenhafte Pragmatik der osteuropäischen Hilfsarbeiter*innen, die im ländlichen »Datschenverein« auf ein migrationsfeindliches Milieu stoßen. Dem Roman gelingt es damit meisterhaft, im Mikrokosmos eines Hausverkaufs die Ganzheit der gesellschaftlichen Verhältnisse nachzuzeichnen, ohne dabei jedoch seine ästhetischen Qualitäten zu verlieren.
Auf die Lesung folgte ein reger Austausch der Autorin mit den Besucher*innen der Lesung, unter denen auch Vertreter*innen portugiesischer Verlagshäuser zugegen waren. Bisher wurde Eva Menasses Werk noch nicht ins Portugiesische übersetzt – das könnte sich jedoch womöglich bald ändern, denn die Veranstaltung verdeutlichte das Interesse der hiesigen Leserschaft an der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur.
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Eva Menasse ©Maja Ensslin, ÖB Lissabon -
Gilda Lopes Encarnação und Eva Menasse; © Maja Ensslin, ÖB Lissabon